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Die Gründungsgeschichte


W
ie verschlägt es einen Ostpreußen von der Ostgrenze des damaligen "Großdeutschen Reiches" an die äußerste Westgrenze?
Mit der Beantwortung dieser Frage beginnt auch die Geschichte des Bauunternehmens Fahl.

Es ist der Anfang eines "roten Fadens", auf den ich noch öfter zurückkommen werde.

Nach meinem Abitur im Februar 1943, nach 3 Monaten Arbeitsdienst - während dieser Zeit verstarb unsere Mutter - unser Vater war bereits im Jahr 1930 als schwerst Kriegsbeschädigter des 1. Weltkrieges verstorben - und nach der Grundausbildung mit Partisaneneinsatz in der Ukraine begegneten wir, Hans Marx und ich, uns das erste Mal in Grafenwöhr auf der Kriegsschule (Berlin-Döbritz). Unser Hunger trieb uns jeden Abend in ein Gasthaus, in dem wir unseren notorischen Hunger mit einer "markenfreien" Suppe zu dämpfen suchten.
Auf dem gemeinsamen Rückweg beginnt unsere Freundschaft.

Dabei erlebten wir im weiteren Verlauf gemeinsam: die Rundstett-Offensive bei Aachen, den Rückzug bis in die Gegend von Bad Reichenhall, Gefangennahme durch die Amerikaner u. Auslieferung an die Franzosen, wo wir beide dann getrennt wurden.
Die von Hans gestellte Frage an mich: "Wo willst du Heimatlos-Gewordener einmal unterkommen?" beantwortete er selbst: "Du kommst zu uns, wo acht Kinder satt werden, ist auch noch etwas übrig für einen Neunten".
So fand ich nach der Kriegsgefangenschaft im Frühjahr 1947 eine 2. Heimat und ein neues Zuhause in der Familie meines Kriegskameraden und Freundes Hans in Kommlingen.

B
ereits nach meinem Abitur hatte ich mich an der Technischen Hochschule in Danzig immatrikulieren lassen, denn mein Jugendwunsch war es, einmal Häfen zu bauen.
Auf dem Weg dahin musste ich, in Kommlingen bei der Familie von Hans am Weißen Sonntag 1947 angekommen, zunächst bei der französischen Bauunternehmung Bertinchamp, Zweigniederlassung Konz als Maurerlehrling anfangen, obwohl Herr Marx mir schon bei einer bekannten Bauunternehmung in Freudenburg eine Arbeitsstelle besorgt hatte. Der Arbeitsmarkt war damals zwangsbewirtschaftet.

H
ier taucht nun der eingangs erwähnte "rote Faden" wieder auf - die Zwangsverpflichtung. Ohne sie hätte mein Lebenslauf sicher einen anderen Verlauf genommen.

Der technische Leiter jener Firma in Konz war Herr Josef Loch, ein infolge NS-Zugehörigkeit suspendierter technischer Angestellter des Tiefbauamtes Trier.
Er bereitete mich in Abendstunden theoretisch auf die von mir erstrebte Maurer-Gesellenprüfung vor, die ich auf Antrag als Kriegsteilnehmer und nach Zulassung bereits am 15. April 1948 bestand.

Im gleichen Herbst geriet die Fa. Bertinchamp in Konkurs und damit stellte sich für uns Beschäftigte die Frage: Was nun?
Als ich mich an einem Abend, wie immer zu Fuß, auf den Heimweg von Konz nach Kommlingen machte, verabschiedete Herr Loch mich mit den Worten: "Wärst du mit deinem Studium fertig, würden wir beide eine Firma gründen."
Auf dem ganzen Weg nach Kommlingen ist mir jenes Lied nicht aus dem Kopf gegangen, dessen Refrain lautet:
"Lass dir Zeit, wenn du das Glück dir träumst,
doch gib acht, dass du es nicht versäumst!"
Am anderen Morgen bin ich leichtfüßig den Berg hinab nach Konz marschiert. In meiner Tasche ein Geldscheinbündel - 5.000,00 DM (3 Monate nach der Währungsreform) und mit dem Wort des Vaters meines Freundes im Ohr: "Fangt an."

Das war das Ende des "roten Fadens" und der Anfang der Bauunternehmung Fahl. Wir meldeten zum 01.09.1948 auf meinen Namen ein Architekturbüro und ein Tiefbauunternehmen an, da für beides keine Qualifikation benötigt wurde. Dieser Tag ist also der Geburtstag unserer Firma.
Herr Loch übernahm, wie bisher, auch die technische Leitung in unserem Betrieb.

Meine Versuche, ein technisches Hochschulstudium zu beginnen, scheiterten daran, dass ich gegenüber den Kriegsteilnehmern älterer Jahrgänge zu jung war.
Herr Loch und einige Dozenten der Trierer Bauschule - vermittelt durch Bekannte - bereiteten mich statt dessen neben meiner täglichen, manuellen Tätigkeit abends und an den Wochenenden darauf vor, die Aufnahmeprüfung für das 3. Tiefbausemester an der Bauschule in Trier zu bestehen. Ich hatte Erfolg.
Ich übersprang also die ersten beiden Semester und begann im März 1949 mit dem Ingenieur-Studium. Die Zeit, die nun kam, war wahrlich kein Honig-schlecken. Morgens mit Ernst, dem Bruder von Hans, zu zweit auf einem Fahrrad von Kommlingen nach Konz zum 7-Uhr-Zug nach Trier, Unterricht bis mittags, Rückfahrt mit dem Zug nach Konz, nachmittags die Pflichten eines Firmeninhabers wahrgenommen, abends zu Fuß nach Kommlingen - Ernst war schon am Mittag mit dem Fahrrad heimgefahren - nachts wurde fürs Studium gearbeitet. Ich habe öfters gesehen, wie morgens die Sonne aufging.

Ich verfolgte das Ziel, nach drei Semestern mit einem guten Examensabschluss an der Bauschule in Trier wiederum die beiden ersten Semester an der TH in Aachen überspringen zu können. Dieser Einstieg wäre ohne Numerus clausus möglich gewesen und ich hätte nur ein Semester verloren.
Am 26 Juli 1950 habe ich das Examen mit dem Prädikat "gut" bestanden.
Als ich mein Zeugnis Herrn Loch freudig vor die Augen hielt, sagte er lächelnd zu mir:" Du hast dein Studium abgeschlossen, was dich berechtigt, deinen Betrieb alleine zu führen. Das musst du jetzt auch tun, ich kann meine Tätigkeit bei meiner alten Behörde wieder aufnehmen und werde deine Firma verlassen."
Mein Traum vom Hochschulstudium war abrupt beendet.

Ich musste mein Schiff, unseren Betrieb, fortan alleine steuern bis mein Sohn Klaus nach seinem Studium nach und nach das Steuer in seine Hand nahm und ein ausgezeichneter Kapitän wurde.
Ich bin auf dem Schiff Leichtmatrose geworden und arbeite nach 58 Jahren als solcher immer noch mit Freude auf Deck.
Übrigens wurde am 30.05.1951 die ältere Schwester meines Freundes Hans meine Frau, seine Eltern meine Schwiegereltern und mein Freund Hans mein Schwager.

Erich Fahl sen.

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